Nachdem die Austauschschüler aus der dänischen Partnerschule Rask Moelle zurückgekehrt waren und den Daheimgebliebenen ausführlich Bericht erstattet hatten über ihre Erfahrungen, wollten die Erasmus-SchülerInnen nun selbst Menschen kennen lernen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Die ProjektlehrerInnen nahmen Kontakt auf zur Krollbachschule, in der es zwei Flüchtlingsklassen gibt mit Jugendlichen, die in Hövelhof und der Umgebung untergebracht sind und nun an der Krollbachschule die Sprache lernen und einen Abschluss erwerben wollen. Der Leiter der Hauptschule und die beiden Klassenleiterinnen der älteren Flüchtlingsklasse sagten ihre Kooperation zu. Daraufhin bereiteten die ProjektschülerInnen die Treffen sorgfältig vor. Zunächst wurde überlegt, welche Themen die beteiligten Jugendlichen interessieren würden, wo und wie sich Gesprächsanlässe schaffen ließen. Man wollte viel erfahren über die jeweiligen Herkunftsländer, den Alltag, die Hobbies, die Familien und Traditionen, aber auch über die Fluchterfahrungen. Es wurden Spiele auf Deutsch und Englisch vorbereitet, die das gegenseitige Kennenlernen unterstützen sollten.
Schließlich kam es zu zwei Begegnungsnachmittagen zwischen zehn Flüchtlingsjugendlichen aus sechs verschiedenen Herkunftsländern und neun ProjektschülerInnen. Gleich das erste Kennenlernspiel, in dem alle SchülerInnen erste Dinge über sich erzählten, zeigte, dass es nur geringe Verständigungsschwierigkeiten gab, denn die Jugendlichen sind schon seit fast einem Jahr in Hövelhof und sprechen schon recht gut Deutsch.
Die Schüler aus der Flüchtlingsklasse konnten schon ziemlich gut Deutsch sprechen. Man hat gemerkt, dass sie sehr ehrgeizig sind und unbedingt Deutsch lernen wollen, um sich zu integrieren. Wir hätten auch nicht gedacht, dass sie so gut Deutsch reden können, aber so gut wie gar kein Englisch. Die Verständigung mit ihnen ging dadurch sehr gut. (Nele, 9b)
Beim Völkerballspiel in der Sporthalle kamen sich die Jugendlichen schon an dem ersten Nachmittag näher. Durch den Sport wurden Barrieren abgebaut, das gemeinsame Spiel war gekennzeichnet durch Spaß an der Bewegung, gegenseitige Rücksichtnahme und Anerkennung. So freuten sich alle Beteiligten auf eine zweite Begegnung.
An diesem zweiten Nachmittag durften die ProjektschülerInnen viel über die Herkunftsländer und die Fluchtrouten erfahren. Die Flüchtlinge zeigten auf einer Landkarte, über welche Routen sie aus ihren Heimatländern geflohen waren. Alle Jugendlichen hatten sich allein auf den Weg machen müssen, um der Bedrohung in ihrem Land zu entkommen – ohne Familie, ohne Freunde, auf in eine ungewisse Zukunft.
Ich war besonders überrascht, dass die Flüchtlinge aus so vielen unterschiedlichen Ländern kamen, in denen sie sich z.B. durch den Krieg nicht sicher fühlen konnten und daher flüchteten. Zudem waren sie auf sich alleine gestellt, weil sie während der Reise noch ziemlich jung waren und keinen kannten, da die Flüchtlinge ihre Familie nicht mitnehmen konnten. Die Flüchtlinge mussten alle ihren Mut beweisen, um z.B. über das Mittelmeer zu gelangen. Außerdem mussten sie sehr geduldig sein, wenn sie nicht weiterreisen durften. Die Flüchtlinge wünschen sich ein Land, in dem sie sich sicher fühlen können und in dem sie integriert werden, daher wählten viele Geflüchtete Deutschland aus. Zudem war Deutschland bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen.
Die Flüchtlinge bekommen meine Anerkennung, denn ich könnte mir nicht vorstellen, ohne meine Familie in ein fremdes Land zu reisen, ohne die Sprache zu können, um mir dort ein neues Leben aufzubauen, die Erfahrungen zu verarbeiten und mich gegen die negativen Vorurteile vieler Deutscher durchzusetzen. Vor allem die Tatsache, dass man nicht weiß, wie die Reise als Flüchtling ins Ungewisse enden wird, beunruhigt mich, deshalb erscheint mir die Flucht als schwere Entscheidung, die das gesamte Leben verändern wird. Rebecca (9b)
An den beiden Projekttagen haben mich besonders die vielen verschiedenen Gründe für die Flucht nach Deutschland interessiert. Denn nicht jeder Jugendliche kam nach Deutschland, um vor dem Krieg zu flüchten. Deutschland war auch nicht unbedingt das Ziel für ein neues Zuhause. Es ging ihnen hauptsächlich um ein sicheres Leben in Europa. Ein Jugendlicher kam zum Beispiel nach Deutschland, um nicht zum Militär in seiner Heimat zu müssen, denn das Risiko zu sterben wäre viel zu groß gewesen. Also schickten ihn seine Eltern auf den Weg in ein neues Leben. (Leonie, 9b)
In einem zweiten Baustein gab es an diesem Nachmittag einen kleinen Einblick in die verschiedenen Muttersprachen der Jugendlichen aus Syrien, dem Iran, dem Irak, Äthiopien, Afghanistan und Pakistan. Es war hoch interessant zu erfahren, dass viele Flüchtlinge nicht nur ihre Muttersprache in verschiedenen dialektalen Ausprägungen sprechen, sondern auf ihrer Flucht noch weitere Sprachen gelernt haben, um untereinander kommunizieren zu können.
Im Rahmen des Projektes Erasmus+ mit dem Thema „immigration – there’s no going back“ haben wir uns zweimal mit ein paar Schülern der Auslandsklassen der Krollbachschule Hövelhof getroffen. Als Grundlage für die Treffen haben wir einiges vorbereitet, z. B. hatten wir einen kleinen Sprachen-„Crash-Kurs“, bei dem uns die Schüler der Hauptschule in kleinen Gruppen etwas in Ihren Muttersprachen, wie z. B. Dari, Persisch, Paschtu, Urdu, Kurdisch aber auch auf Tigrinisch beibrachten. Ein paar von ihnen zeigten uns auch, wie man etwas in ihren Sprachen schreibt, was sich nicht als sehr einfach herausstellte. In den kleinen Gruppen hatte man auch noch etwas Zeit, um sich über die lange Reise der Flüchtlinge zu unterhalten, so erfuhr ich z. B., dass es einigen von ihnen egal war, wo sie landeten, ihnen war nur wichtig, dass dort, wo sie leben, Frieden ist und sie keine Angst vor Krieg haben müssen. Pascal (9b)
Dieser zweite Nachmittag hat die ProjektschülerInnen tief beeindruckt. Gerne hätten sie die Treffen fortgesetzt. Allerdings haben diese Jugendlichen im Juni ihren Hauptschulabschluss erreicht und die Schule verlassen. Sie sind nun auf dem Weg in die Berufsausbildung. Die Erasmusgruppe plant jedoch eine Fortsetzung der Begegnung mit Jugendlichen aus der zweiten Flüchtlingsklasse der Krollbachschule nach den Sommerferien
Die ehemaligen Flüchtlinge haben uns erzählst, dass einige von ihnen bereits einen Ausbildungsplatz haben. Sie haben es innerhalb weniger Jahre geschafft, um die halbe Welt zu flüchten, sich auf die Gefahren einzulassen, Diskriminierung zu widerstehen, die neue Sprache zu erlernen und einen guten Job zu bekommen. Meinen Respekt haben sie auf jeden Fall dadurch!!! (Maurice, 9a)

