Jahrgangsstufe 6: Exkursion auf den Seglingshof (Ostenland)


„Des Geographen Anfang und Ende
 ist und bleibt das Gelände.“
Budtke & Kanwischer (2006, S. 128)[1]

Auf Exkursionen treten Schüler auf anschauliche Art mit der realen Lebens- und Arbeitswelt in Kontakt, weshalb diese praxisorientierte Aktionsform ein unverzichtbarer Bestandteil des schulischen Unterrichts darstellt. Kein medial aufbereiteter Unterricht kann die unmittelbaren Primärerfahrungen ersetzen, die Schüler bei der Realbegegnung und selbsttätigen Auseinandersetzung gewinnen können.

Im Rahmen der Unterrichtsreihe „Landwirte versorgen uns“ in der sechsten Jahrgangsstufe bietet sich die Durchführung einer Exkursion auf einen Bauernhof aus mehreren Gründen an. Der Exkursionsort liegt in der näheren Schulumgebung und ist auf den Besuch größerer Lerngruppen vorbereitet. Aus inhaltlicher Perspektive wird ein exemplarischer Einblick in die konventionelle Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt auf der tierischen Lebensmittelproduktion geboten. Nicht zuletzt wird durch außerschulische Lernorte im Nahraum der Schüler dessen Vorerfahrungen zum unmittelbaren Lebens- und Handlungsumfeld aufgegriffen wie ausgebaut, wodurch letztlich der Heimatbezug gefördert werden kann.

Beim Bauernhof handelt es sich um einen authentischen Lernort mit hohem Erlebnischarakter und vielfältigen Lernanreizen und –chancen für Schüler. Angesichts des weiten Spektrums der Erfahrungen (Begegnungen mit Personen, Tieren, Handwerkszeug und Maschinen) Durch die Begegnung mit Personen, Tieren, Handwerkszeug und Maschinen wird ein breites Interessenspektrum und Lernfeld aufgetan.

Der „Seglingshof“ wurde nicht nur aus thematischen Gründen als Lernort gewählt. Während der Erkundung können die Schüler all ihre Sinne einsetzen, aktiv, selbstständig und in Zusammenarbeit mit ihren Mitschülern vielfältige Erkenntnisse und Erfahrungen erzielen. Über die speziellen Themen `Maschineneinsatz`, `Tierhaltung`, `Beruf Landwirt` und `Lebensraum Bauernhof`` hinaus steht die Aufklärung über die `Lebensmittelproduktion` im Vordergrund. Damit handelt es sich um ein alltägliches und für alle Schüler relevantes Lernfeld, wodurch ein zweiter Anreiz zur Auseinandersetzung gegeben ist.

Ebenfalls spielt die Umwelterziehung eine große Rolle. Durch die Untersuchung der Beziehungen zwischen Mensch, Tier, Technik und Natur wird ihnen die Komplexität menschlichen Handels bewusst. Über die Behandlung der Themen ‚artgerechte Nutztierhaltung und traditionelle Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen die Aktualität und Dramatik von Umweltproblemen. In jedem Fall wird ihnen durch die Auseinandersetzung mit ihrem Nahraum am Beispiel der Landwirtschaft bewusst, welch hohen Stellenwert Natur- und Umweltschutz in unserer Gesellschaft haben (müssen), damit letztendlich die Lebensmittelsicherheit gewährleistet ist. Auch kann ein Einblick in das sensible Gleichgewicht von Ökosystemen und der Bedeutsamkeit von nachhaltigem Handeln eröffnet werden.

Die Methodik der direkten, selbsttätigen Auseinandersetzung mit realen Unterrichtsgegenständen stellt eine wichtige und für Schüler willkommene Abwechslung zum häufig kognitiv ausgerichteten Unterricht dar. Über das primär problem- und handlungsorientierte Arbeiten werden Lernenden gewisse Denk- und Bewegungsfreiräume zugestanden, in denen sie sich individuell Zugänge, Erfahrungen und Erkenntnisse zum Unterrichtsinhalt erarbeiten können. So liegt die Verantwortung während der Erkundung vor Ort größtenteils bei den Schülern selbst, die dadurch ihre Selbstorganisation im Lernprozess ausbauen und eigene Lernwege bestreiten. Der Lehrer steht den Schülern im individuellen Arbeitsprozess bei Bedarf als Berater und Motivator zur Seite.

Auf den bisherigen Exkursionen zum Seglingshof hat sich gezeigt, dass Schüler von der Landwirtschaft, speziell im Umgang mit Tieren stark fasziniert sind und derartige Exkursionen mit einem hohen Aufforderungs-, Erlebnis- und Handlungscharakter einhergehen, die maßgebliche Faktoren für den Exkursionserfolg sind.

Die Primärerfahrungen beim Besuch des Seglingshofes dienen neben der Thematisierung der „Lebensmittelproduktion“ auch für die darauffolgenden Unterrichtsinhalte der Reihe „Tourismus und Landwirtschaft“ sowie „Traditionelle Landwirtschaft im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft“ einen wichtigen Ausgangspunkt dar.

  

Der Besuch auf dem Seglingshof - was ist vorher Thema im Unterricht?

Bevor die Klassen der Jahrgangsstufe 6 den Bauernhof besuchen, werden im Unterricht einige Aspekte des Themas „Landwirte ernähren uns“ bearbeitet.

Diese Aspekte sind an das Lehrwerk „Terra 5/6“ angelehnt.

 

-    „Unser tägliches Brot“ => Unter dieser Überschrift wird der Bereich des Ackerbaus mit Anbauweisen und Feldfrüchten , sowie die verschiedenen Bodenarten (Börden, Gäulandschaften) erarbeitet. Außerdem wird herausgestellt, wie aus dem Korn das Brot wird.

-    „Täglich Fleisch“ => Bei diesem Thema geht es um den Bereich der Viehhaltung unter dem Aspekt der Massentierhaltung und der artgerechten Haltung. Dazu wird der Bereich der Bio – Landwirtschaft angesprochen.

-    „Da hast du den Salat!“ => Hier geht es um den Anbau von Obst und Gemüse, der Begriff der Sonderkultur und des Intensivanbaus werden erläutert. Auch wir der Weg des Anbauprodukts zum Endverbraucher dargestellt.

-    „Chip am Ohr“ => Hierbei wird speziell auf die zunehmende Technisierung und moderne Technologien auf einem Bauernhof eingegangen.

-    „Wo die Zitronen blühen“ => Bei diesem Punkt wird die Landwirtschaft, speziell der Obstanbau in anderen Ländern thematisiert und Verbindungen zu unserem Land hergestellt.

-    „Einen Bauernhof erkunden“ => direkt vor dem Besuch auf dem Seglingshof wird gemeinsam überlegt, welche Beobachtungsaufgaben die Schülerinnen und Schüler erledigen sollen. Dazu kann man eine Art Rallye erstellen oder auch Fragebögen entwickeln. Hierbei sollen die Tiere auf dem Hof, deren Haltung, deren Versorgung, sowie die Arbeiten auf dem Hof, die Maschinen und Gerätschaften und die Ländereien fokussiert werden. Ebenso wird festgelegt, in welcher Weise die gewonnenen Erkenntnisse nach dem Besuch aufbereitet werden sollen / können.

 

 

Nachbereitung der Exkursion

Als Vorbereitung zur Exkursion haben die Schülerinnen und Schüler gruppenweise Aufgaben erhalten, die sie während der Exkursion zu bearbeiten hatten. Fünf Themengruppen werden in der Regel bearbeitet:

-         Ackerbau

-         Tierhaltung

-         Gebäudenutzung und deren Kartierung

-         Maschinen

-         Menschen auf dem Hof

Die Nachbereitung sieht nun vor, die einzelnen Themengebiete mit den Ergebnissen vom Seglingshof zu präsentieren.

Plakate eignen sich gut, um die einzelnen Themengebiete mit unterschiedlichen Darstellungsweisen z.B. durch Fotografien, Tabellen, Schaubilder oder Diagramme vorzustellen.

 

 



[1] Quelle: Budtke, A. & Kanwischer, D. (2006): Des Geographen Anfang und Ende ist und bleibt das

Gelände. Virtuelle Exkursionen contra reale Begegnungen. In: Hennings, W. & Kanwischer, D. & Rhode-Jüchtern, T. (Hrsg.): Exkursionsdidaktik – innovativ !? Erweiterte Dokumentation zum HGD-Symposium 2005 in Bielefeld. Weingarten, S. 128-142.