5.3.2 „Lernen lernen“: ein methodisches Konzept als Programm für unsere Schule      

Der vielfältige gesellschaftliche Wandel betrifft die Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler in besonderem Maße: Wachsender Stellenwert der Medien, der immer selbstverständlicher werdende Zugriff auf Medien jeglicher Art, den Kinder und Jugendliche haben, führt u. a. zu einer Flut von Informationen, die ohne den Erwerb von methodischen Kompetenzen zwangsläufig Orientierungsschwierigkeiten erzeugt. Der sich stetig beschleunigende Prozess an Informationszuwachs bei gleichzeitig immer schnellerem Veralten dieser Informationen fordert die Fähigkeit, Informationen schnell für sich zugänglich zu machen und sie gezielt auszuwählen.  Schulische Lernprozesse als reiner Wissenszuwachs für ein Depot, von dem man ein Leben lang zehren kann, ist schon lange zum Anachronismus geworden.

Darauf muss Schule reagieren!

Wie bereits erwähnt, stellen Richtlinien und Lehrpläne unserer Schulen die Erziehung zur Selbstständigkeit und zum eigenverantwortlichen Handeln entschieden in den Vordergrund. Auch uns stellt sich damit die Frage, wie wir den neuen Anforderungen von außen gerecht werden können. Neben dem täglichen Fachunterricht, dessen Methodik und Didaktik den bereits erwähnten Grundsätzen folgen soll, scheint uns das Konzept „Lernkompetenztraining“ geeignet, die methodischen Fähigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler zu fördern.

 

Bei diesem Konzept  geht es also weniger um die Vermittlung von Lerninhalten als darum, den Schülerinnen und Schülern Mittel und Wege aufzuzeigen, die für sie als individuelle Persönlichkeiten geeignet und auf den Lerninhalt bezogen sinnvoll sind, selbstständig Wissen und Fertigkeiten zu erlangen. Das Konzept soll dabei nicht zusätzliche Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler stellen, sondern ihnen Erfolge leichter zugänglich machen:

 

Methodische Kompetenzen für das Lernen müssen systematisch aufgebaut werden und an den altersgemäßen Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler ange­passt sein. Praktisch bedeutet das, dass für jede Jahrgangsstufe entsprechende methodische Schwerpunkte gelegt und verbindlich in das schulinterne Curriculum aufgenommen worden sind.

 

So beginnt unser Methodentraining mit der Gestaltung der ersten Schulwoche  als sogenannte Einführungswoche, die von der  Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer durchgeführt wird. Eine Methodenwoche in den Klassen 5 gleich zu Beginn des neuen Schuljahres soll Orientierungshilfe geben, die Schülerinnen und Schüler an die neue Organisationsform des Realschulalltags heranzuführen, sich einzuleben und vor allem den Grundstein dafür legen, dass ein neues Sozialgefüge wachsen kann, in dem sich eine angenehme Lernatmosphäre und damit letztlich auch Teamfähigkeit entwickelt. (Welche konkreten methodischen und sozialen Kompetenzen an dieser Stelle vermittelt werden sollen, ist dem Portfolio zu entnehmen, das die Inhalte dieser Methodenwoche im Einzelnen aufzeigt.)

 

Im nächsten Schritt sollen den Schülerinnen und Schülern Lernhilfen und -strategien an die Hand gegeben werden, um z.B. den Stressfaktor „Hausaufgaben“, mit de­nen sich die meisten Schülerinnen und Schüler, aber auch deren Eltern, nicht selten allein gelassen fühlen, zu entschärfen. Dabei sollen auch die Eltern Einblick erhalten, wie sie ihre Kinder bei den Hausaufgaben effektiver begleiten zu können. Die Schüler/innen aller Jahrgangsstufen haben die Aufgabe, über die jeweiligen  Methodentage zu Hause zu berichten. Um das sicher zu stellen, bestätigen die Eltern ihre Kenntnis vom jeweiligen Methodentraining auf einem Testatbogen, der sich hinten im (grauen) Lernkompetenzhefter aller Schüler/innen befindet.

 

Auch die Gestaltung von Unterricht kann effektiver werden und für die einzelnen Fachlehrer / Fachlehrerinnen erleichtert werden, wenn sie auf Methoden zurück-greifen können, die in der gesamten Jahrgangsstufe bereits eingeführt worden sind. Das bezieht sich nicht nur auf Methoden, Lernstoff zu bewältigen, sondern auch eingeübte kommunikative Sozialformen, die dann als selbstverständlich vorhandene Gestaltungselemente des Unterrichts eingesetzt werden können.

 

Ein weiteres Ziel des Konzeptes „Lernen lernen“ ist es, innerhalb der Lerngruppen Binnendifferenzierung praktikabler zu machen, indem die Schülerinnen und Schüler verschiedene Lernwege ausprobiert und dabei erfahren haben, welchem Lerntyp sie angehören. So können sie zielgerichteter auf verschiedene Lernangebote zugehen.

 

Die Anwendung dieses methodischen Konzeptes ist zur Zeit auf einem guten, komplett evaluierten Stand. Das heißt, alle Bausteine der im Folgenden aufzu-findenden Übersicht sind bereits einmal durchgeführt und von den durchführenden Lehrerinnen und Lehrern geprüft und bewertet worden.  In der Lehrerkonferenz nach dem jeweiligen Training berichten die Klassenlehrer/innen über ihre Erfahrungen. Methodentage, die in einer Jahrgangsstufe Defizite aufweisen, werden überarbeitet (siehe Punkt „Zeitplanung“ in Jahrgangsstufe 8) und vom Klassenlehrer/innen-Team der nächsten Klassenstufe unter Einbeziehung der Verbesserungsvorschläge neu gestaltet.